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| UNSERE AUSLEGUNGEN |
SONNTAG, 28. DEZEMBER 2025 |
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Liebe Pfarrgemeinde! Am heutigen Sonntag steht die heilige Familie im Mittelpunkt. Wenn wir Bilder für diese jüdische Familie vor 2 000 Jahren suchen, dann werden wir eher bei einfachen muslimischen oder jesidischen Flüchtlingsfamilien fündig, die aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak stammen. Da geht es nicht nur um das Aussehen sondern auch un die Rollen der Frauen, Männer und Kinder.
Wenn sie eine Vorzeigefamilie ist, mit der man sich überall sehen lassen kann? Wenn die Kinder sozusagen auf's Wort gehorchen? Wenn die Eltern nicht streiten und alles friedlich ist?
Maria und Josef, und darauf legt die Kirche ja einen großen Wert, waren kein Ehepaar. Dazu waren sie arm. Und Josef, so haben wir im Advent gehört, hatte ziemliche Probleme damit, dass dieses Jesuskind nicht von ihm trotzdem übernimmt er immer wieder auf's Neue Verantwortung für: "das Kind und seine Mutter". Er hat gelernt, sich anders zu verhalten, als die patriarchale Kultur es erwartet. Maria ist auch keineswegs die brave Hausfrau der 1950er Jahre. Im Gegenteil. Maria wird im Lukasevangelium als Prophetin, als Frau, die in der Öffentlichkeit mutig, laut und deutlich sagt, was Sache ist: "Mein Gott stürzt die Mächtigen vom Thron ..." Das ist revolutionär im Rahmen des damaligen Patriarchats.
Es gibt einige Bibelstellen dazu:
- Oder bei der Hochzeit zu Kana, wo Maria ihn bittet zu tun was sie sagt. Er weist sie ab mit den Worten: "Lass mich in Ruhe, meine Stunde ist noch nicht gekommen." - Auch als Maria und ihre Söhne nach ihm fragen, sagt er: "Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Brüder? Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Mutter, Bruder und Schwester."
fliehen muss.
Und jeder, der nicht wegschaut, wenn im Fernsehen das Schicksal von Flüchtlingen gezeigt wird, weiß, wie unwillkommen man da sein kann. Liebe Mitfeiernde, ich muss gestehen, dass ich dieses familiäre Chaos sympatisch finde. Denn es zeigt doch, dass Gott offensichtlich ein Herz für so ein Durcheinander hat - und dann doch sicher auch für all das Durcheinander, das wir so anrichten. Müsste uns das nicht lehren, dass auch wir als Kirche mehr Herz für solche Queren Lebenslagen haben müssten - denn, wie gesagt, in genau so was ist Jesus offensichtlich selbst hineingeboren - weil es halst genau so "bei Menschen" zugeht.
- Josef: Er nimmt Jesus an, obwohl er nicht sein Sohn ist. - Maria: Sie verkündet laut, was Gottes Macht bewirkt. - Jesus: Er nimmt wenig Rücksicht auf seine Familie und lebt sein eigenes Leben.
Was ist das, eine heilige Familie? Wann ist eine Familie heilig? Vielleicht ist eine Familie ja genau dann eine heilige Familie, wenn in ihr nicht nur die Erfolge zählen, nicht nur das Große und das, was man vorzeigen und womit man angeben kann, sondern all die vielen kleinen Dinge zwischendurch, die so voller Liebe sind - weil sie so voller Barmherzigkeit sind.
schenken lassen muss - weil wir sie sonst nicht bekommen, auch nicht für Geld. Was für ein Leben, in dem man lachen und weinen, anfangen und aufhören, in dem man Erfolg haben und auch mal scheitern darf, weil man danach wieder neu anfangen und vor allem lieben darf. In einer heiligen Familie ist da möglich!
Ist das auch bei uns möglich? In unserer Familie? In unserer Gemeinschaft |
SONNTAG, 8. DEZEMBER 2024 |
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Im Evangelium haben wir heute gehört, wie der Engel zu Maria gekommen ist und ihr verkündet hat, dass sie auserwählt ist. Vor einiger Zeit haben wir einen meditativen Gottesdienst zu diesem Thema gestaltet. Dazu haben wir ein wunderschönes modernes Bild gefunden. Der Künstler Martin Praska hat es uns möglich gemacht, dieses Bild zu zeigen. Eine junge Frau hat es sich auf einem Sofa sichtlich gemütlich gemacht. Als der Engel zu ihr tritt, richtet sie sich auf um aufmerksam zuhören zu können. Was sagt ihr der Engel? Seine Botschaft ist unglaublich - sie soll ein Kind bekommen, das Gottes Sohn ist. Wer von uns würde so etwas glauben? Würden wir heutzutage bei solchen Erfahrungen nicht annehmen, dass wir eine psychische Erkrankung haben und dringend zum Arzt gehören? Der Künstler stellt die Situation in ein modernes Umfeld. Der Engel ist nur ein Umriss, wir alle wissen nicht wie Engel aussehen, wir haben nur eine Phantasie davon. Auf diesem Kunstwerk ist der Engel ein Abbild der Person, die er benachrichtigt. Schauen sie sich das Profil, die Umrisse genau an. Die junge Frau hört aufmerksam zu, sie wirkt erschrocken, so wie wir es im Evangelium gehört haben. Aber sie wirkt nicht ablehnend. Dieses aufmerksame Zuhören ist ein ganz wichtiges Detail, im Evangelium hört Maria auch genau zu, sie redet nicht viel, aber sie überlegt und - ja wie gesagt, hört einfach genau zu. Umgekehrt, was hat Gott sich da getraut? Er hat sich Maria ausgesucht für sein Vorhaben als Mensch auf die Erde zu kommen. Und er hat Maria die Freiheit gelassen, sein Ansinnen anzunehmen oder abzulehnen. Stellen wir uns vor, sie hätte „Nein“ gesagt…. wir wollen uns das gar nicht ausmalen… aber Gott hatte Vertrauen in Maria und hat ihr eine große Portion „Gnade“ mitgegeben….auch in uns hat Gott dieses Vertrauen und auch uns schenkt er Gnade, Liebe,…er hat uns seinen Sohn gesandt und hat sich für uns geopfert.
obwohl sie sicher nicht gewusst hat, was auf sie zukommt. Sie hat angenommen und ist ihren Weg gegangen. Die Marienfigur an der Glaswand soll diese Maria symbolisieren, die ohne Wenn und Aber angenommen hat und ihren Weg geht. Sie wird uns heuer im Advent begleiten und den Weg zur Krippe gehen.
Und sie hat JA gesagt
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SONNTAG, 7. Juli 2023 |
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Liebe Pfarrgemeinde, Es sind 3 Abschnitte in diesem Sonntagsevangelium zusammengefasst. - Zum einen ist der Dank Jesu an den Vater, wenn es heißt: "Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde". Oder: "Alles ist in mir von meinem Vater übergeben worden." Hier ist Gott der Ansprechpartner. - Im 2. Abschnitt kommt dann die Einladung Jesu, zur Ruhe in ihm, zu kommen, wenn es heißt: "Kommt alle zu mir die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken." Da sind alle Glaubenden die Ansprechpartner. Mit mühselig ist nicht gemeint, dass die Menschen mühselig sind, sondern dass ihre Lebenssituation für sie mühselig ist. - Und schließlich seine Aufforderung: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir. Hier spricht Jesus die Jüngerinnen und Jünger an.
Passend zu Beginn der Ferien und Urlaubszeit möchte ich den 2. Abschnitt genauer betrachten. Die Einladung zur Ruhe zu kommen. Ist es nicht unendlich wohltuend? Da ist einer, der uns keinen Druck und keinen Stress macht. Einer, der uns nicht antreibt, damit wir noch mehr leisten und noch besser werden. Ich meine, dürfen tun wir schon, aber müssen tun wir nicht. Denn hier ist einer, der uns ausruhen lässt - damit wir wieder zu uns kommen - und wir entdecken können, wie gut er es mit uns meint. Ein Gott, der uns nicht noch etwas Neues auflädt, sondern der uns ent-lastet. Das ist die frohe Botschaft, die von Gott kommt. Daran ist nicht zu rütteln. Sie versichert uns: Unser Christentum, so wie es der Herr meint, soll keine Erfüllungsreligion sein, die uns ständig überfordert - weil wir nie so perfekt sind, wie wir sein sollten. Und Kirche darf dann auch keine Moralanstalt sein, die uns überfordert und am Ende krank macht, weil wir wieder und noch immer nicht gut genug sind, wie manche Menschen, die in der Kirche das Sagen haben, sich uns wünschen. Nein, im Gegenteil: Unser Glaube will uns heil machen, gesund machen und er will uns aufrichten. Weil Gott das so will. Bischof Hermann-Josef Spital, ein deutscher Theologe, der von 1981-2001 Bischof von Trier war, hat das so formuliert: "Unser Christentum," sagt er, "ist eine zutiefst therapeutische Religion." Genau so ist es. Unser Glaube will uns heilen, heil und heilig machen. Und dabei muss unsere Kirche helfen. Denn eine Kirche, die krank macht und unterdrückt, ein Glaube, der Angst macht und unterdrückt, eine Predigt und eine Verkündigung, die Menschen klein macht und ihm sagt, dass er nichts wert ist - die mag von überall her kommen- aber sicher nicht von Gott. Denn Gott will eben nicht krank machen, sondern er will heilen! Er will niemanden kleinkriegen, sondern uns alle aufrichten und groß machen. Und der Arzt, derjenige, der heil und gesund macht, der aufrichtet und groß macht, das ist Jesus Christus selbst. Denn er ist doch der Heiland. Dazu hat Gott ihn in die Welt gesandt. Er hat sich sein Heil nicht erst für das Jenseits ausgedacht, dann, wenn wir tot sind. Sondern für jetzt. Er will es schon in dieser Welt schenken und erfahrbar machen. Er hat heilsame Gespräche geführt. Er hat Begegnungen ermöglicht, aus denen Menschen erlöst und befreit herausgegangen sind. Er hat Gesten und Berührungen geschenkt und zugelassen, die einen Menschen aufrichten und stark gemacht haben. Denn all das, all diese Zuwendung und dieses Dasein für andere, das wirkt Wunder. Genau das, dieses heilsame Dasein für Menschen, das hat Jesus den Menschen seiner Zeit geschenkt und das schenkt er uns durch unsere Mitmenschen. Wenn wir Kirche Jesu Christi sein wollen, dann müssen wir es wohl genauso machen, wie er es getan hat. Dann dürfen wir nicht auf dem hohen Ross sitzen und herrschen wollen, sondern wie der Menschensohn, auf dem Esel daherkommen - und bereit sein zu dienen. Dienen, indem wir uns den Menschen zuwenden und heilsam und befreiend mit ihnen umgehen. Wie das gehen könnte hat Wilhelm Willms, ein deutscher Priester, der von 1930 - 2002 lebte und Lyrik und geistliche Lieder verfasste, so umschrieben: "Wussten Sie schon, dass die Nähe eines Menschen gesund und lebendig machen kann? Wussten Sie schon, dass das Wegbleiben eines Menschen sterben lassen kann und das Kommen eines Menschen wieder leben lässt? Wussten Sie schon, dass das Zeit haben für einen Menschen mehr ist als Geld, mehr als Medikamente. Und wussten Sie schon, dass das Anhören eines Menschen Wunder wirkt?"
Ja, all das wirkt immer noch Wunder - auch in unseren Tagen - - und auch durch uns - Wir dürfen sicher sein, wenn wir so miteinander umgehen, wenn wir so füreinander da sind, dann ist der Herr mitten unter uns. Der Herr, der die Last von unseren Schultern nimmt und uns ausruhen lässt, damit wir bei ihm das Leben finden.
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SONNTAG, 12. MÄRZ 2023 |
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Liebe Pfarrgemeinde! Stellen sie sich vor, im St. Pöltner Hochbecken für unser Trinkwasser gibt es einen Wasserschaden und wir hätten 3 Tage kein Trinkwasser. Wie ginge es uns da? Wahrscheinlich wären wir alle mit der Zeit ziemlich verärgert, wir würden eine Schuldigen suchen und es könnte auch schon einmal laut werden. So ähnlich müssen wir uns die Situation aus der Lesung vorstellen. Das Volk Israel ist aus Ägypten geflohen, ausgezogen in ein neues Leben, in ihr Land. Euphorisch sind sie Mose gefolgt. Aber diese Euphorie ist längst dahin, der Weg ist lang, länger als erwartet und sehr anstrengend und jetzt sind sie auch noch in der Wüste gelandet und das Wasser ist ihnen ausgegangen. Niemand hat eine Idee wie sie zu Wasser kommen konnten, sie werden verärgert uns wütend und was ist einfacher als in dieser Situation einen Schuldigen zu finden. Sie gehen auf Mose los, schreien ihn wütend an und es fehlt nicht viel dass sie ihn auch tätlich angreifen. Und da bekommt auch Mose Angst, er gibt seine Angst, aber auch die Wut der Menschen an Gott weiter und er bittet ihn nicht mehr freundlich um Hilfe, nein er schreit ihn an, und - sie halten das aus. Mose hält sein Volk aus, Gott hält den Hilfeschrei des Mose aus. Das zeigt wie tief die Beziehung des Mose zu Gott ist und wie sehr Gott an Mose, an seinem Volk, an uns allen gelegen ist. Mose nennt deshalb diesen Ort später auch Massa und Meriba, Probe und Streit. Gott gibt den Menschen Wasser, er lässt den Mose mit seinem Stab auf Felsen schlagen und es sprudelt Wasser hervor. Gott lässt das Mose nicht heimlich tun, er möchte, dass die Menschen des Volkes erfahren, dass Gott dieses Wunder getan hat und beauftragt Mose die Ältesten, also, die Anführer mitzunehmen. Und wiedereinmal zeigt sich, dass der Glaube, dass Gott helfen kann, die Bitte um Hilfe berechtigt ist. Gott gibt uns was wir zum Leben brauchen. Er gibt uns Wasser, er ist unser Wasser. Im Evangelium hörten wir die Stelle vom Jakobsbrunnen. Auch hier geht es ums Wasser. Und wieder rankt sich eine sehr spannende Geschichte um dieses Wasser bekommen. Jesus kommt um die Mittagszeit zum Brunnen und er hat sicherlich Durst. Genauso wie wir alle in der Mittagshitze, wenn wir unterwegs wären Durst bekämen. Und als Jesus zum Brunnen kommt ist dort eine Frau, ganz alleine zum Wasser schöpfen. Wir erfahren einiges über diese Frau: es ist eine Samariterin. Die Samariter wurden gemieden wo man nur konnte, sie stammten aus einem Volk, das viele Jahrhunderte vor Christus dort angesiedelt worden waren. Diese hatten zwar Jahwe als ihren Gott übernommen, zusätzlich auch noch andere Götter angebetet. Ob das zur Zeit Jesu immer noch so war kann ich nicht sicher sagen, sicher ist allerdings, dass diese Menschen verpönt waren und man große Umwege auf sich nahm um nicht mit diesen Menschen in Kontakt kommen zu müssen. Wir kennen das auch heute. Wir finden in verschiedenen Städten der Erde Bezirke, die man tunlichst meiden sollte, es gibt Regionen, in der viele von uns keine Wohnung haben möchten, auch in St. Pölten. Und dann ist sie einfach eine Frau. Eine fremde Frau anzusprechen war damals, wie man heute sagen würde, ein absolutes Nogo! Und diese Frau ist um die Mittagszeit alleine am Brunnen, was eigentlich sehr ungewöhnlich ist. Die Frauen gingen meist früher, wenn es noch nicht so heiß war und außerdem, war der Brunnen ein beliebter Treffpunkt, wo Neuigkeiten ausgetauscht wurden, getratscht wurde. Dass diese Samariterin um diese Zeit und alleine am Brunnen war soll uns auch sagen, dass sie keine Menschen treffen wollte, dass sie vielleicht auch in diesem Ort eine Ausgestoßenen war. Aber Jesus spricht sie an und bittet sie um Wasser. Alleine deswegen ist diese Bibelstelle schon bahnbrechend. Jesus hat sich nicht um Konventionen gekümmert. Er war für alle Menschen da! Für mich ist an dieser Stelle aber besonders wichtig, dass Jesus ganz klar macht, dass Gott unser Wasser, also unser Leben ist.
Wenn wir sein Wasser trinken, werden wir niemals mehr Durst haben. Wir werden zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt. Und in unserer Kirche finden wir auch genau so einen Brunnen: Wir sitzen im Kreis und bilden einen Brunnen in dessen Mittelpunkt der Altar ist an dem Jesus uns in jeder Messfeier begegnet. Wir sind Brunnen wenn wir zur Kommunion vorgehen und in unserer Mitte Jesus ist und wir ihn ganz in uns aufnehmen. Und diese Kraft, die wir hier schöpfen, können wir hinaustragen und so Brunnen, Quelle, Wasser für andere werden!
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SONNTAG, 26. FEBRUAR 2023 |
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Liebe Pfarrgemeinde
Mit diesem Ritual ihnen die Heilige Schrift auch physisch näher zu bringen, möchte ich Sie ermutigen, zu Beginn der Fastenzeit, mit der stärkenden Wirkung des Wort Gottes bewußt auseinanderzusetzen. Gerne können Sie nach dem Gottesdienst herauskommen und ihre Hand oder ein Kreuzzeichen auf das Buch geben um die Verbindung zu Gott auch symbolisch zu stärken.
Nun zu den heutigen Schriftstellen:
Macht umgehen. Er geht den Weg der Bescheidenheit, des Gottvertrauens und der Verbindung mit Gott. Er geht den Weg bis zum Ende - auch mit Mühen und Leid, weil nur das zum Leben und zum ewigen Leben führt.
Schauen wir in der kommenden Woche ganz Bewusst auf unser Verhalten und versuchen uns einzuüben in Veränderungen, die uns und unseren Lieben gut tun.
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SONNTAG, 25. SEPTEMBER 2022 |
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Liebe Pfarrgemeinde
Kennen Sie den? Ein Mann stirbt. Im Jenseits klopft er ans Himmelstor. Petrus öffnet ihm und fragt ihn was er hier möchte..... Wie auch immer dieser Witz weitergeht, wenn wir solche Witze erzählen, werden Verstorbene reale Personen. Wir stellen uns den Himmel, das Jenseits oder wie wir es nennen möchten als reale Welt vor. Da sitzt Gott auf dem Thron, da sprechen wir mit Petrus, oder Abraham.... genauso wird das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus erzählt. Der reiche Mann stirbt und kommt in die Unterwelt, wie es im Evangelium genannt wird. Und er sieht Abraham, Lazarus, er spricht mit ihnen. Dieses Gleichnis wurde also genau so erzählt, dass wir es verstehen können, dass es unserer Vorstellungskraft entspricht. Und trotzdem gibt es in diesem Text sehr viele versteckte Hinweise über die wir nachdenken können: Der reiche Mann wird genau beschrieben, wir bekommen ein Bild von ihm, er ist in feines Leinen und in Purpur gekleidet. Aber er wird nicht mit einem Namen genannt. Er bleibt anonym - genau das was er auch ist. Er bleibt für sich, feiert seine feste und kümmert sich nicht um seine Umwelt. Er genießt seinen Reichtum und denkt nicht weiter. Der Arme hat einen Namen. Er heißt Lazarus. Er wird auch genau beschrieben. Das Bild des armen Lazarus wollen wir vielleicht gar nicht so genau erkennen. Es ist eher abstoßend. Ein sehr armer Mann, krank, mit Geschwüren, keiner möchte Kontakt mit ihm, keiner nimmt sich seiner an. Wahrscheinlich war er in dreckige Lumpen gehüllt, die in gar nicht genug bedeckten und gestunken hat er sicherlich auch.... Und da sind auch noch die Hunde... sie lecken seine Wunden.... ein Symbol dafür, dass Tiere besser als Menschen erkennen, dass jemand Hilfe braucht. Tiere lecken ihre eigenen Wunden und tun dies auch bei anderen verletzten Tieren. Gleichzeitig muss sich Lazarus dadurch noch mehr erniedrigt gefühlt haben. Aus der Erzählung geht nicht hervor, dass der reiche Mann Lazarus jemals gesehen hat, mit ihm konfrontiert war. Eher scheint es, dass der reiche Mann so mit sich und seinem Reichtum beschäftigt war, dass er den armen Lazarus vor seiner Haustür gar nicht bemerkt hat. Er hat kein offenes Ohr und keine offenen Augen für seine Umwelt, seine Mitmenschen. Und dann passiert es, dass beide Männer sterben. In der Erzählung wird Lazarus von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen, vom reichen Mann wird nur berichtet, dass er begraben wird. In der Erzählung wird davon gesprochen, dass der reiche Mann in der Unterwelt qualvolle Schmerzen leidet. Damals wurde von Unterwelt gesprochen, weil ja alle auf die Erlösung gewartet haben. Und in dieser Unterwelt sieht der reiche Mann den Lazarus im Schoß Abrahams. Er sieht, dass es Lazarus jetzt gut geht und er beginnt zu denken und zu verstehen, dass er in seinem Leben nicht wirklich alles gut gemacht hat, dass er sich zu sehr um sich selbst gekümmert hat. Er bittet um Hilfe und um Linderung und als er das nicht bekommen kann, fallen ihm doch noch andere ein, denen er helfen könnte. Er denkt an seine Brüder, die genauso gedankenlos in den Tag hinein leben wie er. Und er möchte ihnen Hilfe senden. Aber Abraham erklärt ihm ganz klar, dass das nicht möglich ist. Und dann kommt eine ganz entscheidende Stelle, die ich für uns alle, die wir uns Christen nennen einen Schlüsselstelle sein sollte. Der Reiche bittet Abraham Lazarus auf die Erde zu schicken, weil sie ja wegen einem der von den Toten kommt umkehren werden und Abraham sagt: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht. Mir ist dieser Satz durch und durch gegangen. Wir Christen glauben daran, dass Jesus auferstanden ist. Und trotzdem passiert es uns genau so wie dem reichen Mann, dass wir gedankenlos und unaufmerksam unseren Mitmenschen gegenüber sind.
Ich lade Sie ein in der kommenden Woche ein Zeichen zu setzen.
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SONNTAG, 11. JULI 2022 |
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Liebe Pfarrgemeinde
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SONNTAG, 22. MAI 2022 |
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Liebe Pfarrgemeinde
Aber genau das zeichnet einen Christen, eine Christin und die Kirche doch aus, oder nicht?
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SONNTAG, 27. MÄRZ 2022 |
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Predigt zum Evangelium vom Bamherzigen Vater
Üblicherweise richten wir unser Augenmerk auf den Vater, der dem jüngeren Sohn alles verzeiht und nach seiner Rückkehr ein großes Fest veranstaltet. Der ältere Sohn tritt da in den Hintergrund, ich finde seine Reaktion nur allzu menschlich. Viele Eltern hätten gerne, dass in der Entwicklung ihrer Kinder alles geregelt abläuft, alles nach Plan. Und viele Eltern träumen, dass ihre Kinder einmal eine außergewöhnliche Karriere, echten Erfolg im Leben haben. In der illustren Welt bekannter Persönlichkeiten finden wir aber viele, die in ihrer Lebensgeschichte so einen Schritt von zu Hause weg, aus der geplanten Bahn hinaus gesetzt haben. Steve Jobs, der Gründer von Apple, stammt aus einfachen Verhältnissen, irgendwie schafften es aber seine Eltern, dass er aufs College gehen konnte. Er begann auch zu studieren, aber nach einem Semester ließ er alles wieder sausen, probierte alles Mögliche aus. Aber seine stete Neugier und sein Gespür für innovative Projekte ließ ihn dann den Apple Computer entwickeln. Alles weitere ist gut bekannt. Alle Eltern hätten gerne einen Steve Jobs als Sohn, aber auch mit diesem Lebenslauf? Mir fällt auch der geniale Musiker Hubert von Goisern ein. Er ist mit 20 nach Südafrika ausgewandert, hat andere Musikstile, andere Kulturen kennengelernt. Nach seiner Rückkehr gab es viel Ärger mit ansässigen Musikern, die meinten, dass sein Stil die traditionelle Musik verschandle. Inzwischen sind alle stolz auf ihn, nicht nur auf seine Musik, sondern auch auf seine vielen Menschen-verbindenden Projekte, auf sein Beispiel an Toleranz etc. Ich persönlich finde beide Seiten in diesem Evangelium bemerkenswert: ein Sohn, der aus dem Alltag ausbrechen will, es gegen den Willen der Eltern macht, sich aber dann doch an seine Wurzeln erinnert und mit neuen Erfahrungen zu diesen zurückkehrt. Und ein Vater, der seinen Sohn ziehen lässt, was ihm sicher schwer gefallen ist. Und der sich von Herzen freut, als sein Sohn wieder zurückkommt. Kein Hängen an der Vergangenheit, nur die gemeinsame Freude und der gemeinsame Blick nach vorn. Dann bleibt da aber noch der ältere Sohn. Der ist einfach verärgert, was man ihm nicht verdenken kann. Der Vater beschwichtigt ihn: Du hast alles, du bist immer bei mir, was mein ist, ist dein. Wie der ältere Sohn darauf reagiert hat, wissen wir nicht. Aber wie würden wir reagieren? Schauen wir auch neidvoll auf das, was andere erreicht haben besitzen, was ihnen scheinbar in den Schoß fällt. Und beschweren wir uns bei Gott darüber? Können wir mitfeiern, wenn die Kirche offen ist für Arme, Flüchtlinge, Menschen mit einem anderen Bekenntnis, Menschen mit anderer Hautfarbe, Menschen die nicht der sogenannten Norm entsprechen, wenn die Kirche sie akzeptiert, unterstützt, sie zum Fest einlädt? Können wir mitfeiern, wenn Personen in der Pfarre neue Ideen ausprobieren, auch wenn sie vielleicht scheitern? Oft genug sind wir in der Situation des jüngeren Sohnes, der zum barmherzigen Vater zurückkehrt. Aber es wird auch Situationen geben, wo wir uns ganz in seiner Nähe glauben, und vielleicht seine grenzenlose Barmherzigkeit nicht verstehen können.
Nehmen wir uns die drei Personen des Evangeliums als Vorbilder mit in die nächste Woche: Den älteren Sohn: neidlos die Barmherzigkeit Gottes annehmen, allen von Gott geliebten Geschöpfen gegenüber tolerant sein, und beim gemeinsamen Fest mitfeiern.
Den Vater: die grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit, das Loslassen der Vergangenheit, den Augenblick leben.
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ASCHERMITTWOCH, 2. MÄRZ 2022 |
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Aber im Evangelium heißt es: Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht.Es geht einfach nicht darum, in den nächsten Wochen Verzicht, Kasteiung in den Vordergrund zu stellen.
Eine vielleicht bessere Bezeichnung für die Zeit bis Ostern lautet. Österliche Bußzeit.
Buße ist aber auch, nicht zuletzt durch die Kirche, ein sehr negativ behafteter Begriff. Üblicherweise verstehen wir darunter, dass wir durch eine Buß-Leistung ein Fehlverhalten wieder gut machen können. In Deutschland heißt der Strafzettel Bußzettel: ich zahle einen Bußbetrag ein und damit ist alles wieder gut. Unsere prägung durch die Kirche mag im übertragenen Sinn ganz ähnlich sein: ich leiste etwas (indem ich auf etwas verzichte, indem ich spende, indem ich ein wenig leide) und alle meine Sünden sind ungeschehen gemacht. Irgendwie schwingt da im Hintergrund immer noch der Sündenablass mit, gegen den Luther angekämpft hat. Ohne innere Umkehr bleibt dies alles ohne Sinn.
Bibelwissenschaftler interpretieren den ursprünglichen Sinn des Wortes Buße anders: es bedeutet in unserer Sprache: ins Reine kommen. Ich lade Sie ein, die nun kommende Zeit unter diesen Gesichtspunkt zu stellen: mit sich selbst und meinen Mitmenschen ins Reine kommen. Wenn Sie nachdenken, fallen Ihnen sicher Verhaltensweisen, Äußerungen, Handlungen ein, die nicht so ganz in Ordnung waren, wo eine Umkehr nötig ist. Wenn Sie mit sich ins Reine kommen wollen, bedeutet dies, bewusst sich diesen Unzulänglichkeiten zu stellen, das Gespräch zu suchen. Und vielleicht ist es dann auch ein ganz logischer Schritt, das Gespräch mit Gott im Sakrament der Buße zu suchen. Wenn wir ins Reine gekommen sind, den Schritt der Umkehr gesetzt haben, dann kann Gott uns einen Neustart ohne Hypothek schenken. |
SONNTAG, 13. FEBRUAR 2022 |
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Evangelium - LK 6,17.20-26
Selig, die Verständnis zeigen für meinen |