UNSERE PREDIGTEN
 


Unsere Gedanken zur Frohen Botschaft



SONNTAG, 27. MÄRZ 2022

 

Predigt zum Evangelium vom Bamherzigen Vater

Dieses Evangelium vom verlorenen Sohn (was eher negativ klingt) und vom bamherzigen Vater ist wohl eine der bekanntesten Bibelstellen. 

Üblicherweise richten wir unser Augenmerk auf den Vater, der dem jüngeren Sohn alles verzeiht und nach seiner Rückkehr ein großes Fest veranstaltet. Der ältere Sohn tritt da in den Hintergrund, ich finde seine Reaktion nur allzu menschlich. 
Ich möchte sie heute einladen, sich auch einmal in den jüngeren Sohn hineinzudenken. Er ist neugierig, unternehmungslustig, möchte Neues kennenlernen. Das ist ja prinzipiell einmal nicht verwerflich.

Viele Eltern hätten gerne, dass in der Entwicklung ihrer Kinder alles geregelt abläuft, alles nach Plan. Und viele Eltern träumen, dass ihre Kinder einmal eine außergewöhnliche Karriere, echten Erfolg im Leben haben.

In der illustren Welt bekannter Persönlichkeiten finden wir aber viele, die in ihrer Lebensgeschichte so einen Schritt von zu Hause weg, aus der geplanten Bahn hinaus gesetzt haben.

Steve Jobs, der Gründer von Apple, stammt aus einfachen Verhältnissen, irgendwie schafften es aber seine Eltern, dass er aufs College gehen konnte. Er begann auch zu studieren, aber nach einem Semester ließ er alles wieder sausen, probierte alles Mögliche aus. Aber seine stete Neugier und sein Gespür für innovative Projekte ließ ihn dann den Apple Computer entwickeln. Alles weitere ist gut bekannt. Alle Eltern hätten gerne einen Steve Jobs als Sohn, aber auch mit diesem Lebenslauf?

Mir fällt auch der geniale Musiker Hubert von Goisern ein. Er ist mit 20 nach Südafrika ausgewandert, hat andere Musikstile, andere Kulturen kennengelernt. Nach seiner Rückkehr gab es viel Ärger mit ansässigen Musikern, die meinten, dass sein Stil die traditionelle Musik verschandle. Inzwischen sind alle stolz auf ihn, nicht nur auf seine Musik, sondern auch auf seine vielen Menschen-verbindenden Projekte, auf sein Beispiel an Toleranz etc.

Ich persönlich finde beide Seiten in diesem Evangelium bemerkenswert: ein Sohn, der aus dem Alltag ausbrechen will, es gegen den Willen der Eltern macht, sich aber dann doch an seine Wurzeln erinnert und mit neuen Erfahrungen zu diesen zurückkehrt.

Und ein Vater, der seinen Sohn ziehen lässt, was ihm sicher schwer gefallen ist. Und der sich von Herzen freut, als sein Sohn wieder zurückkommt. Kein Hängen an der Vergangenheit, nur die gemeinsame Freude und der gemeinsame Blick nach vorn.

Dann bleibt da aber noch der ältere Sohn. Der ist einfach verärgert, was man ihm nicht verdenken kann. Der Vater beschwichtigt ihn: Du hast alles, du bist immer bei mir, was mein ist, ist dein. Wie der ältere Sohn darauf reagiert hat, wissen wir nicht.

Aber wie würden wir reagieren? Schauen wir auch neidvoll auf das, was andere erreicht haben besitzen, was ihnen scheinbar in den Schoß fällt. Und beschweren wir uns bei Gott darüber?

Können wir mitfeiern, wenn die Kirche offen ist für Arme, Flüchtlinge, Menschen mit einem anderen Bekenntnis, Menschen mit anderer Hautfarbe, Menschen die nicht der sogenannten Norm entsprechen, wenn die Kirche sie akzeptiert, unterstützt, sie zum Fest einlädt? Können wir mitfeiern, wenn Personen in der Pfarre neue Ideen ausprobieren, auch wenn sie vielleicht scheitern?

Oft genug sind wir in der Situation des jüngeren Sohnes, der zum barmherzigen Vater zurückkehrt. Aber es wird auch Situationen geben, wo wir uns ganz in seiner Nähe glauben, und vielleicht seine grenzenlose Barmherzigkeit nicht verstehen können.

Nehmen wir uns die drei Personen des Evangeliums als Vorbilder mit in die nächste Woche:
Den jüngeren Sohn: neugierig sein, Neues versuchen, aber immer in der Verbundenheit mit dem barmherzigen Vater.

Den älteren Sohn: neidlos die Barmherzigkeit Gottes annehmen, allen von Gott geliebten Geschöpfen gegenüber tolerant sein, und beim gemeinsamen Fest mitfeiern.

Den Vater: die grenzenlose Liebe und Barmherzigkeit, das Loslassen der Vergangenheit, den Augenblick leben.
 

ASCHERMITTWOCH, 2. MÄRZ 2022


Fastenzeit: Also ist jetzt wieder einmal Schluss mit Lustig.
Aber im Evangelium heißt es: Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht.Es geht einfach nicht darum, in den nächsten Wochen Verzicht, Kasteiung in den Vordergrund zu stellen.

Eine vielleicht bessere Bezeichnung für die Zeit bis Ostern lautet. Österliche Bußzeit.

Buße ist aber auch, nicht zuletzt durch die Kirche, ein sehr negativ behafteter Begriff. Üblicherweise verstehen wir darunter, dass wir durch eine Buß-Leistung ein Fehlverhalten wieder gut machen können. In Deutschland heißt der Strafzettel Bußzettel: ich zahle einen Bußbetrag ein und damit ist alles wieder gut. Unsere prägung durch die Kirche mag im übertragenen Sinn ganz ähnlich sein: ich leiste etwas (indem ich auf etwas verzichte, indem ich spende, indem ich ein wenig leide) und alle meine Sünden sind ungeschehen gemacht. Irgendwie schwingt da im Hintergrund immer noch der Sündenablass mit, gegen den Luther angekämpft hat. Ohne innere Umkehr bleibt dies alles ohne Sinn.

Bibelwissenschaftler interpretieren den ursprünglichen Sinn des Wortes Buße anders: es bedeutet in unserer Sprache: ins Reine kommen.
Ich lade Sie ein, die nun kommende Zeit unter diesen Gesichtspunkt zu stellen: mit sich selbst und meinen Mitmenschen ins Reine kommen. Wenn Sie nachdenken, fallen Ihnen sicher Verhaltensweisen, Äußerungen, Handlungen ein, die nicht so ganz in Ordnung waren, wo eine Umkehr nötig ist. Wenn Sie mit sich ins Reine kommen wollen, bedeutet dies, bewusst sich diesen Unzulänglichkeiten zu stellen, das Gespräch zu suchen. Und vielleicht ist es dann auch ein ganz logischer Schritt, das Gespräch mit Gott im Sakrament der Buße zu suchen. Wenn wir ins Reine gekommen sind, den Schritt der Umkehr gesetzt haben, dann kann Gott uns einen Neustart ohne Hypothek schenken.
 

SONNTAG, 13. FEBRUAR 2022


Evangelium - LK 6,17.20-26


17 Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon. 20 Er richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. 21 Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. / Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. 22 selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und schmähen und euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen. 23 Freut euch und jauchzt an jenem Tag; denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht. 24 Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen. 25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid; denn ihr werdet hungern. Weh, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. 26 Weh, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebensohaben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.


Predigt LK 6,17.20-26

Liebe Pfarrgemeinde!

Sind Sie schon einmal so richtig glücklich gewesen?....
Denken sie kurz nach, woran erinnern Sie sich? Was macht uns glücklich? Frisch verliebt sein,... nach einer bestandenen Prüfung,... beim Abschluss der Berufsausbildung,... am Tag der Hochzeit,... bei der Geburt eines Kindes,... endlich ein neuer Job,...

Das alles und viel mehr sind Momente im Leben, die Menschen glücklich machen können. Das „selig“, das wir im Evangelium gehört haben, drückt das aus: glücklich sein,... sich freuen können,... selig sein...

Aber all die Dinge, die da im Evangelium aufgeführt sind, entsprechen halt gar nicht unserer Vorstellung von „glücklich sein“. Da werden die Armen, die Hungrigen, die Traurigen, die Ausgestoßenen,... glücklich, selig gepriesen. Auch wenn in unseren Zeiten Minimalismus groß geschrieben wird, Nachhaltigkeit immer mehr zum Thema wird, so können wir uns dennoch nicht vorstellen, wirklich arm zu sein, geschweige denn, wenn wir wirklich arm sind - wie kann man da glücklich sein? Wie sollen wir uns das vorstellen, wenn unser Herz voll Trauer und Wehmut ist, dass wir da glücklich sein sollen?

Und überhaupt - diese Liste, die Jesus da aufstellt - wo bleiben wir denn, wenn sie nicht auf uns zutrifft - und damit die Verheißung, dass sich alles ins Gegenteil kehrt und sich zum Guten wenden wird? Bleiben für uns relativ Wohlhabenden und Satten und Angesehenen nur die Wehrufe?

Werden wir alle klagen und weinen?

Vielleicht hilft uns ein Perspektivenwechsel:
Nehmen wir den Blick weg vom eigenen Ich. Öffnen wir die Augen und behalten wir offene Augen für die Menschen, die am Rand stehen. Sei es jetzt, dass sie arm sind, traurig, ohne Ansehen, ohne Stimme im kleinen oder großen Weltgeschehen. Und da brauchen wir nicht weit zu schauen, da genügt oft der Blick zum Nachbarn oder zu den Menschen in unserer nächsten Umgebung - Arbeitskollegen, Schulfreunde, die Bekannte aus dem Bus, der alte Mann, der regelmäßig vorbeispaziert,....

Und wenn unsere offenen Augen diese Menschen entdeckt haben, dann ist ein wichtiger Schritt, sie nicht abzustempeln oder gar aufzugeben - da kann man sowieso nichts machen, denen ist nicht zu helfen....Karl Rottenschlager von der Emmausgemeinsschaft St. Pölten sagt: „Es gibt keinen hoffnungslosen Fall“.
Und wenn wir es dann schaffen zu schauen - was kann ich tun, auch wenn es wenig ist, damit jemand wieder lachen kann, nicht mehr übersehen wird, Anschluss findet, dann sind wir am richtigen Weg dieser Seligpreisungen, die Jesus uns da mitgegeben hat.
Für jede und jeden von uns wird das etwas Anderes sein, was wir beitragen können, da sind wir mit unseren Talenten und mit unserer Kreativität gefragt - der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Ich habe einen Text eines alten Mannes aus Afrika gefunden, der für mich dies alles auf den Punkt bringt. Lassen wir diese Gedanken auf uns wirken:

Selig, die Verständnis zeigen für meinen
stolpernden Fuß und meine lahme Hand.
Selig, die begreifen, dass mein Ohr sich
anstrengen muss, um alles aufzunehmen
was man zu mir spricht.
Selig, die zu wissen scheinen,
dass meine Augen trüb
und meine Gedanken träge geworden sind.
Selig, die mit freundlichem Lächeln verweilen,
um ein wenig mit mir zu plaudern.
Selig, die niemals sagen: „Diese Geschichte
haben Sie mir heute schon zweimal erzählt“.
Selig, die es verstehen, Erinnerungen
an frühere Zeiten in mir wachzurufen.
Selig, die mich erfahren lassen, dass ich
geliebt, geachtet und nicht allein gelassen bin.
Selig, die in ihrer Güte die Tage,
die mir noch bleiben auf dem Weg
in die Heimat, erleichtern.

 

 

Miteinander
Dankbarkeit leben
Achtsamkeit üben
Glaubwürdigkeit ausstrahlen

Miteinander
Zerbrochenes reparieren
Verletzungen heilen
Trennendes überwinden

Miteinander
Umwege gehen
Auswege suchen
Ziele erreichen

Miteinander
Wüstenzeiten aushalten
Gefühlskälte aufbrechen
Hoffnungsfunken zünden

Miteinander
glauben
hoffen
lieben

Reinhard Stiksel